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Mein Weg zur Wolle

11. März 2018

 

Die ein oder andere kennt mich vielleicht noch aus der Zeit von Frau H.´ s Nähwelt, eine spannende und vier Jahre andauernde Nähzeit. Der Umgang mit Stoffen, das Erstellen von Schnittmustern und der Aufenthalt in einer kreativen Community stellte lange Zeit einen Lebensinhalt für mich dar.

 

Jeder Mensch macht Entwicklungen durch, ändert seine Vorlieben und schlägt einen anderen Weg ein. So war es zumindest bei mir im Oktober 2017. Ein einziges Foto – gesehen im Internet – ließ mich inne halten: ein gewebtes Stück Stoff. Es gefiel mir ausnehmend gut und sofort war mir klar: ich stelle meine eigenen Stoffe her, um daraus etwas zu nähen. Noch war mir nicht klar, dass Nähen sich weit von mir entfernt. Meine Recherche galt nun zunächst einem Webrahmen. Recht schnell fand ich einen, bestellte ihn und schon beim Ausprobieren fiel mir auf, dass dieser Webrahmen nicht das ist, was ich wollte und brauchte. Ich wollte schlicht und einfach Geld sparen … möglicherweise hatte ich ja überhaupt kein Talent für das Weben? 

 

Dieser Webrahmen ging zurück und meine Recherchearbeit ging weiter. Schließlich wusste ich ja nun, was ich nicht wollte! YouTube gab mir viele Tipps, um dann den richtigen für mich zu finden. Nicht ganz günstig, aber fantastisch! Als Autodidakt gelang es mir unter zuhilfenahme von weiteren Lernvideos das erste Stück zu weben. Wow, was war ich stolz! Aber … die Wolle gefiel mir nicht! Mir gefiel überhaupt keine Wolle, egal wie lange ich unter den industriell gefertigten Wollen suchte. Keine gab das wieder, was ich mir vorstellte. Irgendwie war alles zu glatt, gleichförmig und unspannend!

 

Ich wollte mehr Stil, mehr meine eigene Handschrift. Meine YouTube-Recherche weitete sich aus und ich fand Chanti-Manou Müller. Die Göttin der Wollherstellung. Ihre Art, den Spinnvorgang zu erläutern, die Wolle, die ich bei ihr sah … ja, genau … das wollte ich auch. Eine Handspindel wurde geordert. Das ist übrigens das erste Instrument, um dem Spinnvirus zu verfallen 😎 … ja. Ich drehte also die Spindel, erhielt tatsächlich einen Faden und stieß hier an meine Grenzen. Meine Arme sind nicht gesund genug, um eine Handspindel bedienen zu können. Es war schlicht zu anstrengend. Wäre mein Mann nicht gewesen, hätte ich hier das Abenteuer „eigene Wolle herstellen“ beendet. Er ermutigte mich, mir ein Spinnrad zu bestellen. 

 

Wie ihr euch denken könnt, verbrachte ich wieder viel Zeit im Internet, um das für mich passende Spinnrad zu finden. Ich holte mir Tipps von Profis, wie z.B. von Chanti oder auch Birgit Schiffer von knitart und wurde fündig. Mein Kiwi2 von Ashford ist ein solides Anfängerspinnrad und zeigt sich jetzt, wo ich meine spinnen zu können, durch verschiedene erweiternde Zusatzmodule als wundervolle Wegbegleiterin. Ich spinne und webe also. Allerdings webe ich selten Stoffe, die ich im Weiteren vernähe. Das Nähen ist in den Hintergrund getreten. Wenn ich Sehnsucht nach meiner Nähmaschine habe, dann nähe ich eine Tasche aus handgesponnener und handgewebter Wolle. Die bisherigen Resultate liebe ich sehr. Sie sind 100 % ich. 

 

Meine ganze Liebe gilt nun dem alten Handwerk Spinnen und Weben. Die Beschäftigung mit Rohwollen, dem Färben und kombinieren von Wollfasern macht mich äußerst zufrieden. Und ich spüre, wie z.B. auf meinem ersten Markt, das Interesse an diesem Handwerk. Ich saß dort und bediente mein Spinnrad. Kinder blieben stehen, ältere Menschen lächelten und ich musste viele Fragen beantworten. Ich habe viel gelernt in der Zwischenzeit. Wolle ist eben nicht Wolle, Wolle hat tausende von verschiedenen Facetten und jedes Wollknäuel ist individuell. Es wird mir nicht gelingen, zwei identische Wollknäuel mit einem zeitlichen Abstand dazwischen herzustellen. Und genau das ist es, was ich wollte. Individualität war immer mein Credo, ich halte nichts von Massenware. Ich möchte mich mit meinem eigenen Stil ausdrücken. Ich bin Individualist und das zeige ich nun auch ganz deutlich mit dem, was ich tue.

Edith Handelsmann

 

 

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